Hier halte ich alle Interessierten auf dem Laufenden bezüglich allem Möglichen rund um meinen Freiwilligendienst in Kolumbien.

Viel Spaß beim Lesen =)

Mittwoch, 23. Februar 2011

Chronologisch rückwärsts: Weihnachten unter Palmen

Stellt euch nur vor, gerade wo ich gestern beschrieben habe wie schwer beschäftigt ich doch bin, habe ich heute den Morgen frei bekommen. Das war ein perfekter Zufall, denn ich habe mal schön verpennt und kam genau um 6.30 in die Schule, zu dem Zeitpunkt wo die Busse ankommen, also leicht gestresst...hab dann Juan Miguel nach oben gebracht und da erwartete mich die Lehrerin von Casita de Sol (Häuschen der Sonne, unsere Klasse für die Kinder mit Down-Syndrom). Sie hatte vor kurzer Zeit einen ziemlich schlimmen Unfall, sie wurde hier in der Bergen von einem Schwarm Bienen angegriffen. Das hört sich im ersten Moment eher lustig an, aber die arme Frau hatte mehr als 1000 Stiche und der Körper kann mit so viel Gift nicht umgehen. Jedenfalls geht es ihr jetzt wieder gut und sie kann wieder arbeiten. Sie ist noch neu an der Schule und kennt deshalb die Casita Kinder nochgar nicht wirklich, deshalb wird sie jetzt zwei Tage bei uns im Preescolar sein um sich an JuanMi zu gewöhnen bzw. er an sie und ich habe frei! Dann habe ich heute morgen auch noch von einem Kind ein Bild geschenkt bekommen und die Mutter eines anderen Kindes hat uns etwas von ihrem Geburtstagskuchen geschickt. Ach so nett hier alles =)
Abgesehen davon habe ich heute mein halbjähiges Jubiläum in Kolumbien! Könnt ihr euch das vorstellen? Es ging so schnell und andererseits habe ich schon soo viel erlebt und soo viel vom Land gesehen...sehr ambivalent die Zeit!

Gut, dann kommen wir jetzt mal zum eigentlichen Theme dieses Blogs: meine Weihnachtsreise an die Küste.
Jaa, mir hat es an der Karibikküste so gut gefallen, dass ich mir doch sehr gut vorstellen konnte da Weihnachten zu feiern und so bin ich mit der Gastfamilie von Rebecca, bestehend aus: Rebecca, Emi (ihre Gastschwester), Elena (Gastmutter) und Lars (Gastvater, ursprünglich auch Österreich), an die Küste gefahren. Gefahren ist falsch gesagt, wir sind geflogen aber dazu später. Wir haben den Heilig Abend einen Tag vorverlegt, weil wir am 24.12. morgens geflogen sind. Wir haben also schön gegessen (Pasta) und Rebecca und ich haben zum Nachtisch Bratapfel mit Karamelsauce gemacht. Dann gings ans Geschenke übergeben. Ich habe von Elena total süße Ohrringe bekommen und die Rebequita hat  mir auch ein tollen Geschenk gemacht, aber das Beste war wirklich, als Rebe kurz nach oben verschwand und dann mit einem dicken Paket wieder kam und meinte "Hier Luisa für dich" Ich hab überhaupt nciht verstanden was sie von mir wollte, habs einfach nicht begriffen...Ja, es war jedenfalls so, dass meine liebe Mama mit Rebecca Kontakt aufgenommen hat, damit sie für mich ein kleines (oder doch eher großes) Weihnachtspaket zusammenstellt. Ich habe mich uuuunglaublich gefreut.
Am nächsten Morgen gings also los zum Flughafen, wir hatten nen gutes Angebot gefunden und sind deshalb geflogen. Es ging mal wieder Medellin-Bogota (das 6. mal innerhalb eines halben Jahres, ich sollte anfangen Meilen zu sammeln) und dann Bogota-Santa Marta. Leider war es in Medellin sehr nebelig und so konnten wir nicht starten, weshalb wir natürlich in Bogota unsere Flug verpasst haben und 6 Stunden auf den nächsten warten mussten. Zum Glück ist Rebeccas Gastfamily sehr aktiv und so sind wir mit den Taxi ins Zentrum Bogotas gefahren, waren frühstücken und haben ein bisschen Tourikram gemacht.
Mein Eindruck von Bogota war: groß, recht grau, kalt, Großstadt halt...dieses kleine Viertel in der Innenstadt "La Candelaria" wo wir waren, war wirklich schön, der Rest wirkte nicht sonderlich einladend auf mich...
Hier ein paar Impressionen:

Emi, ich, Rebe am Plaza Bolivar vorm Palacio de Justicia



Soo, das war also unser kurzer Ausflug nach Bogota!


Dann ging es weiter nach nach Santa Marta. Und von da aus nach Taganga. Taganga liegt nicht weit von Santa Marta und wird aus Fischerdörfchen beschrieben. Na ja, ein Firscherdörfchen ist es nun wirklich nicht mehr. Rebe und ich haben eher einen kleinen Kulturschock bekommen, da waren plötzlich so viele Europäer und Amerikaner, man sah kaum Kolumbianer...seltsam!
Wir hatten ein tolles kleines Hostel direkt am Strand. Hier der Ausblick von unserem Balkon:




Irgendwie wollte obwohl es Heilig Abend war nicht so wirklich Weihnachtsstimmung aufkommen. Rebecca und ich wünschten uns ungefähr alle fünf Minuten frohe Weihnachten und mussten lachen, weil es so irreal schien. Leider hat es dann extrem angefangen zu regnen...trotzdem haben wir standesgemäß Pizza und Pasta gegessen, damit auch wirklich mal Weihnachtsfeeling aufkommt...


Den nächsten Tag haben wir glaube ich am Strand verbracht und den Tag darauf sind wir nach Santa Marta gefahren um ein paar Besorgungen zu machen. Ich wollte unbedingt einen Reiseführer, weil ich meinen schlauerweise zu Hause in Medellin vergessen habe. Auch das musste natürlich dokumentiert werden:

Dann sind wir einen Tag nach Minca gefahren, Minca ist ein kleines Dörfchen in den Bergen oberhalb von Santa Marta. Was wir da wollten? Moos gucken, Elena war dort mit Lars auf ihrer Hochzeitsreise und wollte unbedingt wieder dieses Moos sehen. Dafür sind wir dann schätzungsweise 2 Stunden in die Berge gefahren. Das lustige war, dass wir zur "Bushaltestelle" gekommen sind, Bushaltestelle in Anführungsstrichen, weil das einfach in irgendeiner Straße ist wo an einer Hauswand dann Minca steht. Es gab jedoch gar keine Busse sondern einfach Leute aus Minca, die mit ihrem Auto hoch und runter fahren. Also haben wir uns in ein kleines Autochen gequetscht, wir waren ja schließlich 5 + Fahrer und los gings. Das Ganze gestaltete sich schon etwas schwierig, weil man sich nicht an die Türen lehnen konnte, weil man Angst hatte, dass sie aufgehen...das ganze Gefährt war eh eher klapperig. Ja, dann geschah auch was geschehen musste und mittem im Nirgendwo ging der Motor aus und wollte auch nicht wieder anspringen...deshalb:


... war schieben angesagt!
So, genug für heute morgen gehts weiter!

Und weiter gehts...
Wir schieben also das Taxi und zum Glück ist es dann auch doch wieder angesprungen und hat uns bis nach Minca gebracht. In Minca angekommen, war die Frage, was wir denn jetzt dort eigentlich tun wollen und nach langem Hin und Her beschlossen wir das Angebot der Mototaxistas (Mototaxi= Taxi nur auf einem Motorrad) anzunhemen und noch weiter hoch in die Berge zu fahren um auch endlich das Moos zu sehen.

Die Fahrt war ziemlich ruckelig und voran kam man nicht wirklich, weil die "Straße" sehr steil war. Straße konnte man das wirklich nicht nennen, auf mich wirkte es eher wie ein Wanderweg, aber ich war froh diese Steigung nicht hochwandern zu müssen.


Leider ist mir dann was ganz Dummes passiert...irgendwie ich weiß nicht wie bin ich mit meinem Bein an den Auspuff gekommen (der wohlbemerkt keinerlei Schutz hatte und tierisch heiß war, weil wir uns da ja die Berge hochgekämpft haben). Ich hab das erst gar nicht so ernst genommen, war nen kleines Pieken und gut, als ich dann allerdings auf mein Beinchen geschaut habe, hatte ich eine handtellergroße Verbrennung, die nicht gut aussah. Jaa suuper und das natürlich in den Bergen über 3 Stunden von der nächsten Apotheke oder Arzt entfernt...Wir fuhren also weiter, hat auch gar nicht so weh getan und kamen bei einem kleinen Vogelreservat an. Ich also rein um zu fragen ob sie zufällig nen erste Hilfe Kasten haben. Hatten sie zum Glück auch und ich wurde nett verarztet. Dieses Reervat war von irgendeiner amerikanischen Stiftung und wurde von zwei sehr netten Engländern geführt mit denen wir uns gleich angefreundet haben. Sie haben uns ein wenig von ihrer Lebensgeschichte erzählt und uns auf einen Kaffee eingeladen, den ich wirklich gut gebrauchen konnte nach dem Schreck. Das tolle an einem Vogelreservat sind die Vögel! Gut, wir sehen hier auch oft Kolibries usw. aber die dort waren toll. Die haben auch mal still gehalten, damit man ein Foto machen kann.


die coolste Kolumbienkarte, die ich bisher gesehen habe


Nach meiner Veraztung haben wir dann ein wenig die Wälder erkundet auf der Suche nach Moos und Brüllaffen (was auch immer Brüllaffen sein mögen, wir haben sie auf jeden Fall nicht gefunden). Nach dem Spaziergang sind wir zurück nach Minca gefahren, oder besser gesagt haben uns fahren lassen und wir hatten ziemliches Glück, weil wir noch vor dem Regen angekommen sind. Hätte es wirklich angefangen zu regnen, keine Ahnung was wir gemacht hätten. Mein netter Mototaxista, der ein extrem schlechtes gewissen hatte, weil ich mich verbrannt habe, meinte, dass man dann auf jeden Fall nicht weiterfahren kann, weil es zu gefährlich ist. Nee, nee diese Sandwege mit riesigen Steinen, die sich durch Regen in kleine, reißende Flüsse verwandeln auf nem Motorrad runter...danke, darauf habe ich nur zu gern verzichtet.
Wir kamen dann erst gegen Abend wieder in Santa Marta an, wo wir mir eine Apotheke suchten um mein armes Bein zu behandeln, was ehrlich gesagt gar nicht so wirklich weh tat, aber ich dachte mir: sicher ist sicher.
verwunschene Nebelwälder- manchmal fühlt man sich wie im Märchen

Am nächsten Tag habe ich dann überlegt ob ich eigentlich einen Arzt aufsuchen sollte oder nicht und kam zu der Entscheidung, dass ich ja ganz gern noch einen schönen Urlaub verleben möchte, der ja auch gerade erst begonnen hatte. Ach ja, Kolumbien ist manchmal toll, da gibt es doch wirklich so Touriärzte, die ins Hostel kommen und dich dort auch der Couch verarzten. Leider hat der mir Antibiotikaspritzen verschrieben und so durfte ich jeden Morgen ins Centro de Salud dackeln und mich spritzen lassen. Manchmal hatte ich Glück und da war eine nette Krankenschwester, die Spritzen vorsichtig gesetzt hat und mir vorsichtig die Wunde gesäubert hat, manchmal hatte ich eher Pech und geriet an eine böse, alte Krankenschwester mit bunten Spritzem auf ihrem Kittel, die mir die Spritzen so mies setzte, dass ich den ganzen Tag nicht mehr sitzen konnte und mir meine Wunde säuberte, als wären auch alle meine Nerven mitverbrannt. Das war auf jeden Fall nervig, aber scheinbar nötig, denn trotz dieser überaus netten Behandlung und Antibiotika infizierte und entzündete sich mein Beinchen :( Was aber vielleicht auch daran gelegen haben kann, dass ich mich nicht wirklich geschont habe. Beispielsweise war ich mal wieder im Parque Tayrona!

Der Ausflug in den Parque Tayrona war natürlich Pflicht, weil Rebecca ihn ja noch nicht kannte. Wir sind gaaanz früh morgens hingefahren. Wir sind um, ich glaube 4.30 aufgestanden, ich musste mir ja vorher auch noch meine Spritze abholen. Wir, das waren: zwei Freiwillige aus Ecuador, die wir ein paar Tage zuvor kennengelernt hatten, Jonas + Freundin, Ella + Freund (die beiden Freiwilligen aus Bogota), Emi, Rebe und ich. Ich hoffe ich habe niemanden vergessen, wenn doch: ist nicht böse gemeint! Wir sind also in nen klapprigen Bus gestiegen und losgefahren. Am Eingang vom Parque hatten wir dann erst ein paar Probleme mit Polizisten, die unsere Taschen durchforsteten nach verbotenen Dingen wie großen Kameraobjektiven und dann wollten die am Eingang unsere Passnummern haben und nicht jeder hatte seinen dabei. Abgesehen davon habe ich mich mal wieder darüber aufgeregt, dass Kolumbianer weit aus weniger bezahlen als Ausländer. Dann ging der Marsch los. Das lustige war, dass ich den Weg eigentlich schon mal gelaufen war, er dieses mal aber ganz anders aussah. Das liegt wohl daran, dass es so viel geregnet hat und sie deshalb ständig die Wege ändern müssen. Ich kam irgendwie nicht so schnell voran, weil ich ständig Angst hatte, dass mir irgendewas in die Wunde kommt (man soll Verbrennungen ja nicht abdecken) und plötzlich waren Rebe und ich allein. Die anderne waren verschwunden. Normale Reaktion: Handy raus, anrufen...Pustekuchen! Im Parque Tayrona hat man keinen Empfang...also blieben wir allein und schlugen uns durch die Wildnis um an den Strand zu gelangen. Ich habe dann zwischenzeitlich überlegt warum ich überhaupt mitgegangen bin, weil ich ja eh nicht ins Wasser konnte und wanden mit nem Loch im Bein auch nicht was Wahre ist, besonders weil ich glaube ich zwei Flüsse durchqueren musste, wobei ich das Bein ja eigentlich trocken halten sollte.
Nach 3 oder 3,5 Stunden kamen wir dann endlich, vollkommen fertig am Ziel an und hatten tierischen Hunger.
unser kleines Bötchen
Wir haben also schön gegessen und Rebe hat ein wenig das Meer genießen können, obwohl man sagen muss, dass das Meer an diesem Tag etrem unruhig war und sie deshalb nicht rauchschwimmen konnte, weil das wirklich gefährlich sein kann. Da tauchte ein echter Engel auf. Ein Mann der sagte: In 10 Minuten fährt ein Boot nach Taganga ab, wer will mit??? Rebe und ich schauten uns an und dachten uns: koste es was es wolle, wir wollen mit um uns den Rückmarsch zu ersparen. Leider war es auch ziemlich teuer (20€ pro Person) und so viel hatten wir auch gar nicht mit, aber das musste ja keiner wissen. Wir also: WIR! WIR! Wir waren so begeistert von der Idee nicht wieder wandern zu müssen, dass wir irgendwie verdrängt haben, dass die Wellen so hoch waren an diesem Tag...Na ja, wir also rein ins Boot, ich habe mich auf Grund der Wellen mal wieder schön hingepackt und hab am Bein geblutet, reicht ja nicht, dass man ein misshandeltes Bein hat, das andere soll ja nicht vernachlässigt werden...Wir schipperten dann da rum, aber der Motor wollte nicht anspringen, nach ca. 15 Minuten hatten sie dann das Problem geregelt und das Abenteuer begann. Der Captain sagte: Haltet euch gut fest! Und das war nötig, die Wellen waren bis zu 3,5 Meter hoch und die fahrt ähnelte doch einer Achterbahnfahrt als einer gemütlichen Bootstour. Unsere Mitreisenden, eine sehr lsutige Gruppe von Iranern, die in Amerika leben, amüsierte sich herrlich. Es war auch irgendwie lustig, aber ich war mir immer nicht so sicher ob ich eigentlich lachen oder um mein Leben bangen soll. Als wir wieder sicheren Boden unter den Füßen hatten war ich auf jeden Fall glücklich. Rebe ist schnell ins Hotel gerannt um Geld zu holen, damit wir das Boot bezahlen konnten und dann haben wir uns ausgeruht. Ich war fertig und das wo doch der Silvesterabend folgte! 
Rebequita und ich haben uns ein tolles Essen bei unserem Lieblingitaliener gegönnt, wo die Küche und alles sehr improvisiert ist, aber mit Liebe gekocht wird. Und sind dann ins "Casa de Felipe" gegangen, wo man immer nette Leute trifft. Später haben wir uns dann wieder mit den anderen Freiwilligen getroffen. Und stellt euch vor, ich habe Schornsteinfeger in Zunfttracht gesehen, da stiegen plötzlich fünf von denen aus nem Taxi. Fand ich lustig. Ich war an dem Tag auf jeden Fall total fertig und bis um 1 ins Bett gegangen. Ich glaube das war das ruhigste Silvester, das ich je hatte. Wobei man auch anmerken muss, dass hier in Kolumbien Silvester eher familiär gefeiert wird und nicht die große Party ist. Feuerwerk ist hier auch nicht so angesagt. Ich war auf jeden Fall glücklich als ich im Bett lag!

Ein Esel am Strand








 


so sahen die Wege aufgrund der Regenfälle aus
 
man begegnet immer mal wieder einem oder einer ganzen Horde beladener Pferdchen, denn die Strände sind nur zu Fuß oder mit dem Boot zu erreichen
und ab durch den Fluss, hier waren wenigstens Sandsäcke, bei anderen hieß es Schuhe aus und durchwaten!

1 Kommentar:

  1. Hallo Isi, da weiß ich doch was mir in der letzten Zeit gefehlt hat. Deine wunderbaren Reiseberichte.
    Kuss

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