Das Fest war wirklich toll, sehr kolumbianisch (von dort stammt auch das Video "tanzende Kinder"). Es gab Unmengen an traditionellem kolumbianischem Essen, dem ich wohl noch mal einen ganzen Blogeintrag widmen werde. Es war eine wirklich heitere Stimmung, die sich verdunkelte als wir mitbekamen, dass in der Nähe wohl gerade jemand erschossen wurde. Wir waren alle ziemlich geschockt, aber das Fest ging seinen gewohnten, frölichen Gang weiter...das war quasi der Vorbote zu dem, was wir an diesem Tag noch sehen und hören würden.
Sandra hatte nämlich vor ihren Freiwilligen im Laufe des Nachmittages das Barrio zu zeigen und ich konnte mich anschließen. Zum Glück war das so spontan, weil ich im Nachhinein erfahren habe, dass sowohl meine Gastmutter als auch die Verantwortlichen der Schule mir das nicht erlaubt hätten, weswegen ich davon auch nichts erzählt habe.
Also brachen wir nach langem Warten auf (kolumbianische fünf Minuten können seeeehhr lang sein).
Sandra führte uns zu einem Haus ihrer Schülerinnen, dass ziemlich abseits und nur über einen kleinen, matschigen Trampelpfad zu erreichen war. Das "Haus" war aus Brettern gezimmert, ohne fließend Wasser oder Strom. Es ist illegal gebaut worden, weshalb es wohl auch öfter Probleme mit der Polizei gab. Als wir eintraten wurden wir von der Familie willkommen geheißen. Der Raum hatte höchstens die Größe von 30 qm, darin befanden sich zwei Betten, eine Kochstelle und sonst eigentlich nichts.
Man stelle sich vor, dass dort eine fünfköpfige Famile lebt!
Es war erstaunlich sauber und ordentlich und Sandra erzählte uns auch, dass die Kinder stets ordentlich zu Schule erschienen und sehr fleißig sein. Es war eine sehr bedrückende Stimmung und wir wussten alle nicht so recht was wir sagen sollen...Dann zeigten sie uns auch ihr "Badezimmer" ohne fließend Wasser muss man da schon einfallsreich sein! Und auch ohne Strom zu leben kann man sich kaum vorstellen, zum Kochen hatten sie zum Glück Gas, aber es wird hier schon so gegen 18.30 Uhr stockfinster und diese Famile hat nicht einmal Licht und das obwohl der Vater arbeitet, doch mit einem Lohn von ca. 3€ am Tag kann er seine Familie wohl gerade so durchbringen.
Daraufhin führte und Sandra noch zu einem anderen Haus, das zwar größer, aber weitaus weniger gepflegt war. Auch dort lebte eine Famile auf kleinstem Raum, der Vater wohl drogenabhängig, die Eltern ständig in stark eskalierenden Streis (der Einsatz von Messern gegen den Ehepartner schien normal) und die Kinder teilweise stark einwicklungsverzögert.
Nach diesen Eindrücken lud Sandra uns erstmal auf ein Eis ein, doch die Geschichte von der Eisverkäuferin machte mich nicht unbedingt heiterer. Sandra erzählte, dass als sie sie das erste mal sah wurde sie gerade von Polizisten in Handschellen abgeführt, weil sie jemanden mit einem Messer attakiert hatte. Diese Frau wirkte nett und vollkommen normal, ich hätte ihr keinerlei Gewalttätigkeit zugetraut.
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| la zanahoria |
So fuhren wir mit der "zanahoria" (spanisch für Karrotte) zu siebt weiter.
| war kuschelig :) |
Daraufhin kamen wir in ein Viertel, das auf mich irgendwie noch bedrückender wirkte. Als wir in eine Straße einbogen, wurde Sandra sehr freundlich von einem aus einem Haus stürmenden Jugendlichen begrüßt. Wie sie uns kurz darauf erklärte würde er quasi Wache halten, wer die Straße entlang gehen kann und trug dementsprechend auch eine Waffe im Hosenbund um unerwünschte fernzuhalten. Wären wir nicht in Begleitung einer für die vertrauensvollen Person gewesen, wäre die Situation wohl anders gelaufen. Wir gingen dann in ein Haus einer Familie, die wohl was das Drogengeschäft in dem Viertel angeht sehr mächtig ist. Sie waren überaus freundlich und erzählten uns voller Stolz von ihren Kindern, von denen einer gerade seinen Abschluss gemacht hat. Schon seltsam... Ansonsten wurde uns noch erzählt, dass man vor so zwei Monaten dieses Viertel hätte nicht betreten können, weil es auf Grund von Familienrivalitäten nicht sicher gewesen wäre. Außerdem trafen wir noch eine ehemalige Schülerin von Sandra, die mit 14 schwanger wurde und seit dem nicht mehr zur Schule geht und mittlerweile auch schon drei Kinder hat. Bei der Gelegenheit erzählte sie uns, dass in ihrer Schule momentan auch mehrer 13jährige Mädchen schwanger sein und das nicht ungewöhnlich ist.Auf unserem Weg durch das Viertel begenete und folgendes Wandbild:
Es ist Andrés Escobar gewidmet, der bei der WM 1990 in einem Vorrundenspiel ein Eigentor schoss, woraufhin Kolumbien aus dem Turnier ausschied. Bei seiner Rückkehr nach Medellín wurde er mit sechs Schüssen getötet.
Als letzte Station des Tages gingen wir in das Haus einer anderen Mitarbeiterin von Arca, wo wir wieder sehr nett willkommen gehießen wurden und uns ein leckerer Kaffe serviert wurde (Instantkaffe aufgelöst in agua panela, war echt lecker). Heitere Stimmung wollte auch da nicht aufkommen, weil mir eine Frau, die gerade zu BEsuch dort war davon berichtete, dass ihr 26jähriger Sohn vor einem halben Jahr im Parque de La Estrella (zentraler Punkt hier im Viertel, da kommt man mindestens einmal täglich vorbei) umgebracht wurde.
Auf dem Rückweg (die zanahoria fuhr mich netterweise nach Hause) kamen wir an dem eigentlichen Schulgebäude, in dem Sandra arbeitet vorbei (das Fest war im Grundschulhaus) und Sandra erzählte und die Geschichte des Gebäudes:
Es war mal die Finca einer der Mitarbeiter Escobars, aber nach dem Zerschlag des Medellín-Kartells beschlagnamte es die Regierung um es als Schulgebäude zu nutzen. Bei Bauarbeiten auf dem Gelände wurden viele Überreste von Frauen und Kindern gefunden, weil es anscheinden der Ort war, an dem Frauen und Kinder getötet wurden, die dem Kartell im Weg standen.
Ich war dann auch ganz froh wieder hier in meinem sicheren zu Hause anzukommen, den Pförtner zu begrüßen, der Hinter mir die Tür mit Schlüssel verschloss und mich erstmal hinzulegen, um all diese Eindrücke zu verarbeiten.
Ich möchte zum Schluss noch bemerken, dass Sandra und nicht mitgenommen hätte, wenn sie nicht gewusst hätte, dass sie für unsere Sicherheit sorgen kann. Wir haben uns sicherlich so einige male unwohl gefühlt, aber wir waren keineswegs in Gefahr.



Das müssen schon ziemlich heftige Erfahrungen sein, die du gerade durchmachst. Echt harte Schicksale, die manche Leute haben. Zeigt irgendwie immer wieder wie gut es uns geht nicht in ständiger Angst und umgeben von Gewalt und Tod zu leben. Pass auf dich auf! xoxo
AntwortenLöschenNa das hört sich ja echt gruselig an. Ich hätte bestimmt nen Anfall bekommen. Sei schön vorsichtig, das ist echt gefährlich, egal mit wem du unterwegs bist. Wir wollen dich doch heile wieder bekommen.
AntwortenLöschenIsi, ich krieg gleich einen Herzinfarkt. Mach lieber Ausfl+üge mit deiner Schule.
AntwortenLöschenmacht euch keine sorgen! ich pass schon auf mich auf! :)
AntwortenLöschenkrass!
AntwortenLöschenOh Mann das klingt alles echt heftig...ich bewundere dich echt dafür, dass du das alles so mehr oder weniger locker wegsteckst! Ich glaub ich würd mich nicht mehr raus trauen...:(
AntwortenLöschenPass schön auf dich auf!!!!